… fallen Späne – heißt es, wenn man an verschiedenste Büroszenen denkt. Durch die HR-Brille greift diese Rubrik einige davon auf. Was gibt es dazu aus Wissenschaft und Praxis zu sagen? Wir sprechen Experten an, die Insiderwissen und Erfahrungen weitergeben.

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Prof. Dr. Peter Höher, ISM-Dozent für den einjährigen Zertifikatskurs „Coaching“ an der ISM Academy

Gast in diesem Newsletter: Prof. Peter Höher, Dozent für Coaching am Kienbaum Institut @ISM

„Wenn ich mich mit HR-Kollegen unterhalte, entdecken wir gerade, dass in Personalabteilungen keine grenzenlose Bereitschaft mehr besteht gegenüber den Anforderungen der GenZ und GenAlpha, alles mitzumachen. Sie erleben nämlich Studienabgänger, die mit ein bis drei Jahren Berufserfahrung horrende Gehaltsvorstellungen haben, weil sie der Meinung sind: ‚Ich werde doch gesucht!‘ Das ist die eine Entwicklung – Fachkräftemangel hin oder her, dann auch noch mit zunehmender Tendenz, eine geringe internationale Mobilitätsbereitschaft und am besten keine Personalverantwortung anzustreben. 

Die zweite Entwicklung betrifft Künstliche Intelligenz, die – neben den Chancen – dramatisch den Markt heute verändert und künftig massiv weiter verändern wird. Ich meine damit, dass ein unteres und mittleres Führungsmanagement z. T. ersetzbar wird in klassischen Management- und auch Leadership-Aufgaben. Von Seiten des Consultings erleben wir gerade jetzt zahlreiche Übernahmen von Unternehmen in Deutschland, es gibt viele Restrukturierungstendenzen, bei denen Personal mal wieder als Kostenfaktor abgebaut wird, statt auf Human Capital als Investitionsfaktor zu setzen. 

Das Dritte, was wir erleben, betrifft älter werdende Belegschaften. Wir werden uns auf Arbeit bis zum 70. Lebensjahr und darüber hinaus einzustellen haben. Healthy Leadership ist ein Mega-Thema. Realität auf dem Markt ist aber, dass immer noch ein Bogen um die Gen 50+ gemacht wird. Nach dem Motto: Die sind doch teuer. Das ist für mich ein Ungleichgewicht in dieser Entwicklung. Ich empfehle, Menschen auch 60+ zu binden, weil diese dann, insbesondere wenn sie berufliche Rückkehrer sind, dem Unternehmen gegenüber oft eine höhere Loyalität zeigen als jüngere Leute mit weniger Branding-Affinität einer Unternehmensmarke gegenüber.“